Mein Master(arbeits)plan – wie der Weg und auch das Ziel gelingen sollten.

Das zweite Semester meines Content-Strategie-Studiums ist offiziell vorbei, die Vorarbeit der Masterarbeit (Feasibility Analysis) erfolgreich abgeschlossen. Nun folgt der Enspurt. In unserer letzten Präsenzwoche in Graz widmeten wir Studierenden uns fleißig und teilweise optimistisch und motiviert dem Endziel: Der Masterarbeit. Und damit auch dem, wofür wir fast zwei Jahre lang leiden und schuften mussten. Natürlich war auch viel Lehrreiches, Schönes und Erfreuliches dabei, aber seien wir uns mal ehrlich: Das Ende naht und das ist auch gut so. Denn ich brauche wieder ein normales, freudvolles Leben, ohne abendliche Zoom-Sessions, Deadlines und Stress durch die Doppelbelastung Arbeit & Vollzeitstudium. Und genau mit diesem Ziel vor Augen war ich höchst motiviert mit meiner Masterarbeit zu starten. Und dann kam alles anders. Denn nur wenige Tage nach dem ich meinen tollen Masterplan stolz präsentieren konnte, passiert Covid19, auch bekannt als die Corona-Krise.

Kurz zurück aber zu dem Zeitpunkt, an dem die Welt und auch mein Plan noch in Ordnung zu sein schien. Stefan Pollach kam, sah und siegte als einer der kompetentesten und besten Vortragenden unseres gesamten Studiums. Einer der wenigen, der mit solch einer durchdachten, logischen und guten Struktur bzw. Plan an alles herangeht, das mir die Gänsehaut kommen könnte. Dass dieser Mann weiß wovon er spricht, ist darin begründet, dass er Profi-Projektmanager ist. Profi deshalb, weil sich heutzutage viele Menschen als PMs bezeichnen können. Er kann es aber nicht nur auf einem Level, das nur zu bestaunen ist, sondern weiß sein Wissen auch unglaublich gut und spannend zu vermitteln. Noch nie hat mir Planen und Kalkulieren so viel Spaß gemacht wie in den Einheiten mit ihm. Und dabei mag ich keine Zahlen.

So machten wir uns Anfang März alle an die Arbeit und wurden von Stefan über einen Tag verteilt angeleitet unseren Masterplan anzufertigen. Zuerst sollten wir uns Vision und Ziel vor Augen führen.

Schritt 1a: Vision & das Warum (Was treibt mich an? Warum sollte mein Kunde sich mit Content Strategie auseinandersetzen? Warum tue ich es?) 👀

„Die Masterarbeit schreibe ich um mein Studium abzuschließen und mein Können und Wissen in der Abschlussarbeit herzeigen zu können. Ich möchte eine sinnvolle Strategie entwickeln, die der Spendenorganisation Hilfe die ankommt dabei hilft ihren Kommunikationsauftritt zu verbessern. Hilfe die ankommt unterstützt Menschen in Not. Die Projekte sind von Spendern abhängig, mit denen ideal kommuniziert werden muss. Kommunikation ist ein Mittler und Unterstützer und kann zu höherem Vertrauen und Motivation auf Seite der Spender beitragen. Indem ich mich im Bereich von Content Strategie für NGOs einsetze, lerne ich selbst viel und kann dieses Können in der Zukunft auch beruflich oder ehrenamtlich anwenden. Ich tue das voller Leidenschaft, weil ich weiß, dass es eine Organisation ist die Gutes tut, aber limitierte Ressourcen und Möglichkeiten hat. Indem ich meine Expertise anbiete, trage ich auch dazu bei Gutes. Das befriedigt meinen inneren Drang nach Gerechtigkeit und anderen zu helfen, mit dem was ich kann. Für mich ist es also eine Kombination aus Ideologie und einem persönlichen Hang nach Welt-Verbesserung.“ 👩🏻‍🚀

Schritt 1b: Welche Ergebnisse liefere ich mit meiner Arbeit? 📊

„Ich liefere mit meiner Arbeit eine markenzentrierte Content Strategie für eine NGO, basierend auf dem Methodenmix Card Sorting Workshop, Content Audit und Interviews. Inkludiert sind Theorien der Content Strategie sowie empirische Ergebnisse. Die Resultate für Hilfe die ankommt sind ein Konzept das klar macht, wer die Marke selbst ist, was ihre Markenwerte aber auch Kommunikationsziele sind. Sie soll einen Plan vorliegen haben der Empfehlungen und Ideen aufzeigt wie Kommunikation an Spender besser aussehen kann und auch wie sie dies angehen können für das Jahr 2020/2021. Tonalität, Styleguide, Redaktionsplan sind inkludiert. Im Endeffekt sollen diese Maßnahmen sie bei ihrer Arbeit unterstützen und langfristig dabei helfen die Spender mit den richtigen/gewünschten Inhalten zu versorgen und neue Spenderinnen optimal zum Spenden ansprechen/anregen zu können.“

Schritt 1c: Probleme, Hürden & Herausforderungen (Welche Probleme könnten auftreten? Wovor habe ich Angst?) 🏔

„Angst habe ich davor, dass ich mich verzetteln könnte, im Detail versinke, viel zu viel mache oder den Überblick verliere. Auch, dass meine Methode nicht funktioniert und ich es falsch angehe, dass ich mental am Ende bin (Sorgen, Ängste, Perfektionismus, Selbstzweifel!) und vor allem das Formatieren!!! Denn am Ende verrät mich Word jedes Mal.“

In Schritt 2 ging es an die grobe Aufzählung der wichtigsten To Dos sowie der Kapazitätenplanung. Diese Berechnung beinhaltete die geschätzten Stunden die ich mir pro Woche vornehme etwas für die Masterarbeit zu erledigen. Bis zu KW26 kam ich sehr konservativ gerechnet auf 157 Stunden – 15 geschätzte Stunden Krankheit, also auf 142 Stunden gesamt. Hmmm, das erschien mir gleich einmal sehr wenig. Vor allem weil unsere Arbeit mindestens doppelt so viele Stunden Arbeit beinhalten sollte. Mir wurde bewusst, dass sich das alles vermutlich nicht ganz ausgehen wird bis Juni. Außer natürlich ich arbeite täglich auch nachts. Und das ist neben einem 30h-Job nicht zu empfehlen.

Stefan erklärte uns das Dreieck, bestehend aus „Hand-in-date“, „quality“ und „capacity“. Wir mussten uns für die für uns wichtigste Kategorie entscheiden. Bei mir ist das eindeutig die Qualität. Wenn mir diese am wichtigsten ist, muss ich bei den anderen beiden Bereichen Veränderungen vornehmen. Deshalb hat sich mein Hand-in-Date schon eimal automatisch nach hinten verschoben. Nämlich auf August, statt Juni.

Dennoch war ich sehr optimistisch und voller Tatendrang als es darum ging die eigene Arbeit in Peer Groups zu besprechen und Tipps einzuholen. Ich persönlich bekam ein paar gute Gedanken, die ich in mein Konzept mit aufnehmen konnte. Und dann ging es auch schon an den Projektplan inklusive monatlicher Einteilung der To Dos und Risikoeinschätzung. Ganz analog mit Stiften und Sketchboards. So sah dann mein letztendlicher Plan aus. 🏁

Tja und dann passierte der Corona Virus inklusive Lock Down, neuer Home Office-Regelung und breiter sozialer Isolation. Mein erstes Kundenmeeting musste daher gleich einmal online abgehalten werden. Auch mein Card Sorting Workshop muss nun virtuell durchgeführt werden, was supoptimal ist. Die geplanten Interviews sowieso. Was mich an der ganzen Situation aber am meisten stört, ist, dass ich mich schon wirklich auf das klassische Studentenleben gefreut habe: Freitags im Cafe sitzen und recherchieren, in die wunderschöne Hauptbibliothek der Universität Wien gehen und Bücher ausborgen, mich studentisch-intellektuell fühlen und unheimlich viel neues Wissen aufsaugen, den ganzen Tag schreiben an der Nationalbibliothek und abends mit etwas sozialer Interaktion belohnen. Mein Alltag jetzt sieht aber eher so aus: Ich sitze den ganzen Tag an meinem Esstisch alleine in meiner Wohnung, telefoniere mit Kunden, verbringe Zeit in Slack Calls und beantworte jede Menge E-Mails. Da die Trennung zwischen Heim und Office nicht mehr so klar ist, arbeite ich gefühlt auch viel länger und habe weniger Freizeit. Abends bin ich dann so erledigt, dass ich nicht mehr viel mehr zusammenbringe außer Essen, Lesen oder Netflixen. An den Wochenenden bleibt mir die leere Hoffnung auf etwas Entspannung, gepaart mit energischer Produktivität. Aber nichts da. Prokastination & Unmotiviertheit. Unser gemeinsamer FH-Berlin-Trip wurde abgesagt, die Abschlussreise vermutlich auch. Mein Workshop wird eher Chaos als Spaß und auch sonst kann ich mich nicht einmal mit KollegInnen zum gemeinsamen produktiv sein oder Austauschen treffen. Das war nämlich immer meine größte Hoffnung diese gesamte Phase gut zu überstehen.

Aber immerhin habe ich meinen sehr konkreten, gut durchdachten und optimistischen Projektplan. Den werde ich mir an meine Wand hängen und ihn zumindest jeden Tag eine halbe Stunde anstarren. Schon alleine dadurch bin ich produktiver als dies von den letzten zwei Quarantäne-Wochen behaupten könnte. Vielleicht schaffe ich es diese Woche ja wirklich dann auch alle To Dos abzuhaken, die ich mir für die erste Phase des neuen Monats vorgenommen habe. Denn mein Ziel und meine Vision, die mich antreiben, sind gleich geblieben: Mit meiner Arbeit etwas schaffen, das hilft und damit zumindest einen ganz kleinen Teil zu sozialer Gerechtigkeit beitragen. Etwas überzeichnet aber dennoch liebevoll mussten wir dies in Form einer Geschichte als Plakat darstellen. Und dieses Motto motiviert mich etwas die Corona-Einsamkeit dafür zu nutzen zu schreiben was das Zeug hält. Denn wann wenn nicht jetzt kann ich es mir mir mehr zu Nutze machen, dass draußen zwar die Sonne scheint, aber auch niemand anderer Spaß hat oder auf Urlaub ist? Corona sei Dank.

Plakatbild: „Content-Kampf für die Gerechtigkeit.“

Wie es meinen lieben StudienkollegInnen in der aktuellen Situation geht, könnt ihr hier nachlesen:

„Projektmanagement – Die Kunst der Planung“ – Katrin Rathmayr
„How Corona crashed my perfect plan to finish my study program“ – Sandra Rosenfelder
Home Office mit Produktplatzierung“ – Melanie Wimmer

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